Mitglieder des Vereins Kulturgeschichte waren dieser Tage einer Einladung von Bernd Mühling gefolgt, die Pusch-Gruft auf dem Alten Friedhof in der Rathausstraße 51 zu besichtigen sowie an Gräbern bemerkenswerter Personen der Markkleeberger Geschichte zu verweilen. Bei der Besichtigung wurden sie kenntnisreich vom Denkmalpfleger und ehemaligen Oberbürgermeister Karlheinz Eichler sowie Liane Knaack von der Gärtnerei Knaack, in deren Händen die Pflege zahlreicher Liegestätten liegt, unterstützt.
Von der letzten Miteigentümerin der Gruft der Familien Pusch und Apel-Pusch war Bernd Mühling als Bevollmächtigter eingesetzt worden und konnte den Kreis der Interessenten durch die Gruft führen, in der – bis auf eine Ausnahme – alle Verstorbenen in Zinksärgen gebettet sind. Christian August Puschs Familie übereignete der Kirche zu Gautzsch einst die Flächen zur ersten großen Friedhofserweiterung. Pusch selbst kam als Eigentümer des berühmten Hotels de Pologne in der Leipziger Hainstraße zu Reichtum. Zu den Gästen dort zählten unter anderem das polnische und das sächsische Königshaus. Von seinen Einkünften kaufte er später das Rittergut Raschwitz sowie sechs der zehn Bauernhöfe in Oetzsch. Eine weitere Spende war, so erzählte Mühling an den Särgen der Apel-Puschs, das Gelände, auf dem später die Oetzscher Schule gebaut wurde.
Auf dem Alten Friedhof sind zahlreiche bedeutende Markkleeberger begraben, deren Namen teilweise in Deutschland und darüber hinaus bekannt sind. Sie sind mit der Geschichte der einstigen Dörfer, auf deren Fluren Markkleeberg liegt, verbunden. Dazu gehören beispielsweise Prof. Ernst Sommerlath, der Onkel der schwedischen Königin Silvia, der als Theologe an der Trauung mit König Carl XVI. Gustaf beteiligt war, oder der umtriebige Pfarrer Johannes Wangemann. Auch das Ehepaar Agricola sollte noch in guter Erinnerung sein. Christiane Agricola war nicht nur als Journalistin und Autorin bekannt, sondern führte auch einen Damenkreis, in dem zu unterschiedlichsten Themen diskutiert wurde. Der Wissenschaftler Prof. Günther Sterba war ein weltweit bekannter Fischforscher und wurde vom heutigen japanischen Kaiser empfangen, als dieser noch Kronprinz war. In einer anderen Grabstätte ruht Prof. Hans-Günter Riedel, einst Chef des ITZ Böhlen. Nicht weit davon befindet sich die Ruhestätte von Bernd Klose, langjähriger Oberbürgermeister von Markkleeberg.